Gregory Bateson im Portrait
Kommunikation, soviel wissen wir heute, ist der wichtigste Baustein unseres Zusammenlebens. Doch was bedeutet es, zu kommunizieren? Gregory Bateson war jemand, den die Informationsübertragung als solches weniger interessierte, als vielmehr der Aspekt des Vernetzens. Durch Kommunikation setzen wir uns in Beziehung, Systeme bilden sich und Sozialität entsteht. Neue Ansätze der Neurosoziologie gehen sogar soweit, zu verneinen, dass Bewusstseine unabhängig von Kommunikation existieren können. Was kommunikativ verhandelt wird, sind Erwartungsstrukturen und Beziehungsmuster. Sich zu vernetzen, zu kommunizieren bedeutet daher nicht zuletzt, Welt zu bilden, zu gestalten und neue Zusammenhänge zu schaffen.
»An Ecology Of Mind« – Ein Filmportrait
Präsentiert von der Stiftung Management Zentrum X und mindjazz öffnen wir am 15. September, 20.00 Uhr im Rahmen der x-treat #3 „Open Innovation Design“ die Tore des Kinosaales des HBC-Clubs in der Karl-Liebknecht-Straße 9, Berlin-Mitte. Für den Abend erheben wir einen Unkostenbeitrag von 9,-€.
Eingeführt wird der Film von Dr. Wolfram Lutterer, einem der profiliertesten Kenner der Arbeiten von Gregory Bateson. Im Anschluss diskutiert er gemeinsam mit Prof. Dirk Baecker über die Aktualität des Bateson’schen Denkens und seine Verlinkungen mit den Erkenntnissen der neueren Netzwerkforschung. Einen Vorgeschmack darauf liefert bereits dieses Kurzportrait von Dirk Baecker über Bateson:
“Gregory Bateson ist der Epistemologe unter den Systemtheoretikern. Er war so radikal und so skeptisch, dass er es ablehnen würde, als Systemtheoretiker bezeichnet zu werden, so lange nicht deutlich ist, welcher Unterschied damit aufgerufen wird. Bateson ist ein Ökologe, der von New-Age-Philosophien der Ganzheitlichkeit ebenso in Anspruch genommen wird wie von Differenztheoretikern, die nichts mehr erschrecken kann als das Wort der Ganzheitlichkeit. Ein scharfer Beobachter von Delphinen, Balinesen, Schizophrenen und Alkoholikern, war Bateson an jedem Verhalten interessiert, das spielerisch genug blieb, um Anschlüsse offen zu halten, und verfahren genug, um nur noch den Teufelskreis als Ausweg zu kennen. Vielleicht war Bateson der erste, der die Reichweite von Shannons Informationsbegriff erkannte, auch wenn Shannon darauf nur ablehnend, weil zurecht überfordert reagieren konnte. Mit Sicherheit war er der erste, der die Differenz scharf genug gedacht hat, um sie weder als Ding noch als Ereignis noch als Relation beschreiben zu können. Was und wo “ist” der Unterschied zwischen einem blauen und einem roten Strich an der Tafel, lautet eine seiner berühmtesten Fragen. Wohin kommen wir, wenn wir von einem Paradigma der Energie auf ein Paradigma der Information umstellen und eine Informationen als einen Unterschied definieren, der einen Unterschied schafft? Wir kommen dazu, Beobachter zu beobachten, die sich ihre Welt mithilfe von Unterscheidungen zurecht legen. Und wie kommen wir diesen Beobachtern auf die Spur? Indem wir ihre Unterscheidungen beobachten. Bateson hat diese Sätze nicht als Philosophie, sondern als Forschungsprogramm formuliert, als Frage danach, von welchen Begriffen man ausgehen muss, um der tänzerischen und spielerischen Selbstorganisation der Phänomene auf die Spur zu kommen. Deswegen zählt Batesons Buch “Ökologie des Geistes” zu den großen und nach wie vor aufregenden Büchern des vergangenen Jahrhunderts.”
Der Film über Gregory Bateson wurde von seiner Tochter Nora Bateson produziert und zeigt berührende Einblicke in das Leben und Denken eines der wichtigsten Vordenker systemischer Ansätze:
Wir freuen uns auf euer Kommen!


